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Stolpersteine für Familie Michaelis
Am 23. Juni 2026 werden in der Stadt Zittau weitere Stolpersteine verlegt. Die fünf neuen Steine erinnern an John und Emmy Michaelis sowie ihre drei Kinder Margot, Wolfgang und Rita. Mit der Verlegung wird das Schicksal einer Familie sichtbar gemacht, die über Jahrzehnte hinweg das wirtschaftliche, gesellschaftliche und religiöse Leben der Stadt mitprägte und schließlich durch die nationalsozialistische Verfolgung zerstört wurde.
Die Veranstaltung zur Verlegung der Stolpersteine beginnt um 9:00 Uhr vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie in der Neuen Burgstraße 1b. Das etwa eineinhalbstündige Programm umfasst neben der Verlegung der Steine auch verschiedene Redebeiträge. Darüber hinaus werden Patinnen und Paten für die Stolpersteine benannt. Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Zinzendorfschulen Herrnhut stellen zudem die Ergebnisse ihrer Spurensuche zur Geschichte der Familie Michaelis vor.
Die Familie Michaelis gehörte zu den prägenden jüdischen Familien Zittaus seit dem späten 19. Jahrhundert. John Michaelis, Sohn eines erfolgreichen Unternehmers, war selbst Kaufmann und hochdekorierter Frontsoldat des Ersten Weltkriegs. Gemeinsam mit seiner Frau Emmy führte er das Familienunternehmen weiter. Infolge der Weltwirtschaftskrise geriet dieses jedoch in wirtschaftliche Not – eine Entwicklung, die von den Nationalsozialisten gezielt antisemitisch instrumentalisiert wurde. Bereits 1933 wurde John Michaelis verhaftet und in sogenannte „Schutzhaft" genommen. In den folgenden Jahren war die Familie zunehmender Ausgrenzung und Verfolgung ausgesetzt, musste Zittau verlassen und versuchte vergeblich, andernorts eine neue Existenz aufzubauen. Nach erneuter Verhaftung und Internierung wurde John Michaelis 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet. Seine Frau und die drei Kinder überlebten die NS-Zeit unter schwierigsten Bedingungen, darunter Zwangsarbeit, und fanden nach 1945 neue Lebenswege in Europa und den USA.
Die Stolpersteine sind Teil eines europaweiten Kunst- und Erinnerungsprojekts des Künstlers Gunter Demnig. Seit den 1990er Jahren werden kleine Messingtafeln vor den letzten frei gewählten Wohnorten von Menschen verlegt, die vom NS-Regime verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Jeder einzelne Stein trägt den Namen eines Opfers und steht stellvertretend für ein individuelles Lebensschicksal. Das Projekt gilt heute als das größte dezentrale Mahnmal der Welt und versteht sich als „Kunstdenkmal", das Erinnerung in den Alltag zurückholt: im Vorübergehen, im Innehalten, im buchstäblichen „Stolpern" über Geschichte. In Zittau liegen bis dato 27 Stolpersteine. Über die Orte, an denen die einzelnen Steine liegen und die Geschichten der Menschen,an die erinnert wird, könnt ihr euch hier informieren.
Mit der Verlegung der Stolpersteine für die Familie Michaelis wird ein weiterer wichtiger Beitrag zur lokalen Erinnerungskultur in Zittau geleistet.
📅 Dienstag, den 23. Juni 2026
🕕 9:00 Uhr
🏠 Neue Burgstraße 1b, 02763 Zittau
Das Mitbringen von Blumen, Kerzen, kleinen Steinen als Ausdruck individuellen Gedenkens ist ausdrücklich erwünscht.